Department für Geographie
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Das Segment der Nicht-Reisenden in Deutschland


Fachgebiet: Tourismusgeographie
Gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderkennzeichen: SCHM 850/21-1

Projektleitung: Schmude, J.
Projektwissenschaftler: Passauer, M.

Laufzeit: 08/2017 - 07/2018
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Seit Mitte der 1990er Jahre beträgt der Anteil der Nicht-Reisenden an der deutschen Bevölkerung etwa ein Viertel (Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. 2016). Gleichzeitig wird diese Bevölkerungsgruppe in der deutschsprachigen Tourismusforschung bislang kaum berücksichtigt. Es existiert eine Vielzahl an Untersuchungen zu den Reisenden und deren Verhalten, jedoch bezieht die Forschung in der Regel die grundlegende Partizipationsentscheidung für oder gegen die Teilnahme am Reisegeschehen nicht mit ein. Studien zu diesem Thema stammen überwiegend aus dem englischsprachigen Raum und stellen Constraints (= Hemmnisse oder Hindernisse), die eine Person von der Teilnahme am Reisegeschehen abhalten, in den Fokus.

Aufbauend auf den bisherigen Erkenntnissen v.a. aus der englischsprachigen Forschung und auf der identifizierten Forschungslücke wird im Rahmen des Projektes geklärt, warum ein Teil der Bevölkerung (ca. 25%) nicht am Reisegeschehen teilnimmt. Konkrete Ziele sind die Entwicklung von verschiedenen Definitionen des Nicht-Reisens, die Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Nicht-Reiseentscheidung unter Berücksichtigung der Rolle der Soziodemographie sowie die Identifikation unterschiedlicher Arten von Nicht-Reisenden. Dem Projekt liegen zur Bearbeitung drei zentrale Forschungsfragen zugrunde: Wie kann Nicht-Reisen definiert werden? Welche unterschiedlichen Einflussfaktoren tragen zur Partizipationsentscheidung im Tourismus bei? Welche unterschiedlichen Typen von Nicht-Reisenden gibt es?

Eine individuelle Betrachtung des deutschen Quellmarktes auf nationaler Ebene ist notwendig, da der Partizipationsentscheidung quellmarktspezifische Unterschiede zugrunde liegen. Neben der Identifikation und dem besseren Verständnis von vorhandenen Constraints steht in diesem Projekt insbesondere das freiwillige Nicht-Reisen-Wollen im Fokus der Untersuchung.

Das Projekt baut auf eine bereits abgeschlossene Analyse von 17 explorativen, qualitativen Interviews mit Nicht-Reisenden auf. Erste Erkenntnisse der Analyse der Interviews zeigen, dass immer eine Vielfalt von Einflussfaktoren zur Nicht-Reiseentscheidung beiträgt. Constraints nehmen dabei ebenso wie Aspekte des freiwilligen Nicht-Reisen-Wollens eine zentrale Rolle ein. Für die Durchführung des Projektes erfolgt eine Zusammenarbeit mit der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. in Form von Zusatzfragen zur Reiseanalyse, einer jährlich durchgeführten, deutschlandweiten, repräsentativen Befragung. Dem Projekt liegt eine quantitative Herangehensweise zugrunde, bei der die Betrachtung des Phänomens des Nicht-Reisens um die neue Perspektive des Nicht-Reisen-Wollens erweitert wird. Damit wird ein neues Framework für die Auseinandersetzung mit den Nicht-Reisenden geschaffen, welches sowohl externe als auch interne Determinanten, wie zum Beispiel individuelle Lebensumstände oder persönliche Eigenschaften, berücksichtigt. Hierdurch wird es möglich, die aktuell Nicht-Reisenden nach verschiedenen Definitionen in Abhängigkeit von der Reisehäufigkeit in den vergangenen Jahren zu untergliedern sowie mit der Gruppe der aktuell Reisenden zu vergleichen. Weiterhin werden verschiedene Typen von Nicht-Reisenden durch eine Untersuchung von Einflussfaktoren der Nicht-Reiseentscheidung, die über soziodemografische Merkmale hinausgehen, ermittelt. Das Projekt liefert nicht nur Erkenntnisse, die den bisherigen Forschungsstand der Tourismusforschung erweitern, sondern weist vor dem Hintergrund der Identifikation von Handlungsbedarf von Seiten der Politik bezüglich der Teilnahme am Reisegeschehen auch gesellschaftspolitische Bedeutung auf.


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