Wasserdampf in der Atmosphäre

Wasserdampf: unsichtbares Gas, sichtbar ist nur das Kondensationsprodukt, also flüssige Wassertröpfchen

Physikalische Sonderstellung des Wassers:

 

Aggregatzustände des Wassers
Übergang flüssig -> gasförmig: Verdunstung
Übergang gasförmig -> flüssig : Kondensation
Übergang gasförmig -> fest: Sublimation

Durch Verdunstung erhöht sich die Anzahl der Wassermoleküle in der Atmosphäre, durch Kondensation erniedrigt sich dieser.

Der (Partial-)Druck den die gasförmigen Wassermöleküle ausüben heißt Dampfdruck.

Dampfdruck = Druck, der von in gasförmiger Phase vorliegenden Molekülen eines Stoffes ausgeübt wird

Der maximal mögliche Dampfdruck, also der Sättigungsdampfdruck ist eine Funktion der Temperatur:

-> keine lineare Funktion, sondern exponentieller Zusammenhang

Der tatsächliche Dampfdruck hängt vom verdampfbaren Wasser ab. Faustregel: pro 10 °C steigt der Sättigungsdampfdruck um einen Faktor 2.

Tabelle des Wasserdampfgehalts

Verdunstungskälte / Kondensationswärme = Maß an Energie, die notwendig ist, um 1 g Wasser zu verdampfen, resp. Energie die bei der Kondensation von 1 g Wasser frei wird = 539 – 600 cal/g

Ab 0°C: van der Waal’schen Anziehungskräfte so stark ein, daß sie nur noch Schwing- und Drehbewegungen der Moleküle um räumlich fixierte Punkt möglich sind:

Kristallisationskeime sind nötig: wenn zu Beginn der Kristallisation keine "Anlegestellen" (Eiskristalle oder Teilchen mit ähnlichem Raumgitter) verfügbar sind -> flüssiges Wasser bis –30°C

In Wolken findet man im Temperaturbereich zwischen 0° und –10°C oft Eis-, Wasser- und Dampfphase nebeneinander:

Wichtig für Wolkenbildung in der Atmosphäre: Dampfdrück über gekrümmten Flächen > Dampfdruck über geraden Flächen -> Transport in Richtung der weniger gekrümmten Fläche -> große Tropfen wachsen auf Kosten kleiner

Salze haben hygroskopische Wirkung -> Sättigungsdampfdruck über der Lösung ist geringer -> Wasseranlagerung an Lösungen mit hoher Salzkonzentration

Luftfeuchte: der wirkliche Wasserdampfgehalt der Luft (e); Gasgemisch aus trockener Luft und Wasserdampf

Sättigungsdampfdruck (E) = maximale "Aufnahmekapazität" der Luft an Wasserdampf; abhängig von der Temperatur

Sättigungsdefizit = Differenz E - e

Relative Feuchte = Verhältnis zwischen herrschendem Dampfdruck und Sättigungsdampfdruck [%], stark temperaturabhängig

Absolute Feuchte = Menge Wasserdampf in Gramm pro Kubikmeter feuchter Luft [g/m³], keine konservative Größe bei Vertikalbewegung (Luftdruckänderung)

Spezifische Feuchte = Gewicht des Wasserdampfes in Gramm pro kg feuchter Luft (wird in der Meteorologie verwendet, da sich diese Angabe mit Vertikal-bewegungen der Luft nicht ändert wenn keine Kondensation auftritt)

Tabelle verschiedener Feuchtebegriffe

Messung: Aßmann-Psychrometer, Haar-Hygrometer

Energieumsätze

Eis -> Wasser: Schmelzen 80 (cal/g); 49 (Eisen)
Wasser -> Eis: Gefrieren 80; 94 (Aluminium)
Wasser -> Dampf: Verdunsten 539 – 600; 51 (O2)
Dampf -> Wasser Verdampfen (bei 100°C) 539; 48 (N2)
Eis -> Dampf: Verdunstung 680; 327(Ammoniak)
Dampf -> Eis: Sublimation 680

Verteilung des Wasserdampfes in der Atmosphäre

In der Regel nimmt der Wasserdampfgehalt mit der Höhe rasch ab
Inversionen treten in den Außertropen auf, wenn infolge zyklonaler Verwirbelung warm-feuchte Tropikluft über trocken-kalte Polarluft aufgleitet)
"Precipitable water" = mittlere Gesamtmenge an Wasserdampf in einer gegebenen Vertikalsäule über einem Ort (mm)

 

Verdunstung

Regeln:

Verdunstung führt zu Abkühlung, da der Wasseroberfläche Energie entzogen wird (damit die Verdunstung aufrecht erhalten werden kann, muß also Energienachschub in Form von Strahlung oder aus dem Wasserkörper selbst)
1 mm Verdunstung -> Abkühlung um 0.5-0.6 °C

Fragen: Ist die Wasseroberfläche (oberste 0.1 mm) eines Sees, wärmer oder kälter als das Wasser in 1 cm Tiefe?
Wann verdunsten tiefe, küstenferne Seen am meisten?

Zwei Prozesse: 1. Übergang in gasförmige Phase, 2. Transport in höhere Luftschichten

Verdunstung also abhängig von: verfügbarer Energie, Temperatur, Feuchtegradient, Wind

Bei der Verdunstung (=Evapotranspiration, ET) über vegetationsbestandenen Landoberflächen muß man zwischen potentieller und aktueller ET differenzieren

= Wasserverbrauch pro Gramm erzeugter Pflanzensubstanz

(Berechnung der potentiellen und aktuellen ET ist sehr schwierig. Den anerkannt besten Ansatz liefert die sog. Penman-Monteith Gleichung:

D = Steigung der Wasserdampfsättigungskurve; g = Psychrometerkonstante; Q = Strahlungsbilanz; B = Bodenwärmestrom; r = Dichte der Luft; cp = Spezifische Wärme der Luft bei konstantem Druck; EL = Sättigungsdampfdruck; eL = aktueller Dampfdruck; ra = aerodynamischer Widerstand; rs = Bestandeswiderstand

Andere Verfahren:

(E-e)14 = Sättigungsdefizit um 14 Uhr
f = empirischer Faktor

Humidität, Aridität

Von besonderer Wichtigkeit für die ökologische Wertung einer Klimaregion ist das Problem der Humidität / Aridität:

Verschiedene Ansätze der Klassifizierung von Regionen in humid / arid:

PENCK

KÖPPEN

DE MARTONNE

Verteilung der Differenz zwischen Niederschlag und Verdunstung im Jahresgang

Bsp. Wasserbilanzgleichung für Deutschland (n. Hydrologischer Atlas der BRD, KELLER 1979)

Verdunstungsmittelwert ca. 480 mm/a
Maximum 560 mm/a
Minimum 460 mm/a

weiter mit: Entstehung horizontaler Luftdruckunterschiede