Wasserdampf in der Atmosphäre
Wasserdampf: unsichtbares Gas, sichtbar ist nur das Kondensationsprodukt,
also flüssige Wassertröpfchen
Physikalische Sonderstellung des Wassers:
- Kommt in allen drei Aggregatzuständen
auf der Erde vor
- Schmelzpunkt (bei Normaldruck): 0 °C
- Siedepunkt (bei Normaldruck): 100 °C
- Mögliche Aggregatzustände
- unterhalb des Schmelzpunktes: fest, gasförmig
- oberhalb des Schmelzpunktes: flüssig, gasförmig
- oberhalb des Siedepunktes: gasförmig
- maximale Dichte bei 4°C
- Dipol: 104° Winkel zwischen den H Molekülen
- Im Wasser befinden sich alle Moleküle in ungeregelter Bewegung (= BROWN’sche
Molekularbewegung)
- Wärmemenge = Gesamtsumme der Bewegungsenergie
- Durch Anheizung wird zusätzliche (Bewegungs-)Energie zugeführt,
so daß sich die Teilchengeschwindigkeit erhöht => Abstand zwischen
den Molekülen wird größer => Ausdehnung
- Oberflächenspannung wird durch van der Waal’sche Anziehungskräfte
ausgelöst, da diese sich an der Oberfläche NICHT gegenseitig aufheben
=> Wassermoleküle werden innerhalb der Flüssigkeit gehalten,
Oberflächenspannung muß überwunden um Wasser zu verdunsten
=> das schaffen nur die schnellen (energiereichen) Moleküle =>
Abkühlung durch Verdunsten
- Schnelle Wasser(dampf-)moleküle in der Atmosphäre können
auch auf die Wasseroberfläche fallen => Temperaturerhöhung des
Wassers durch Kondensation
Aggregatzustände des Wassers
Übergang flüssig -> gasförmig: Verdunstung
Übergang gasförmig -> flüssig : Kondensation
Übergang gasförmig -> fest: Sublimation
Durch Verdunstung erhöht sich die Anzahl der Wassermoleküle in der
Atmosphäre, durch Kondensation erniedrigt sich dieser.
Der (Partial-)Druck den die gasförmigen Wassermöleküle ausüben
heißt Dampfdruck.
Dampfdruck = Druck, der von in
gasförmiger Phase vorliegenden Molekülen eines Stoffes ausgeübt
wird
Der maximal mögliche Dampfdruck, also der Sättigungsdampfdruck
ist eine Funktion der Temperatur:

-> keine lineare Funktion, sondern exponentieller
Zusammenhang
Der tatsächliche Dampfdruck hängt vom verdampfbaren Wasser ab. Faustregel:
pro 10 °C steigt der Sättigungsdampfdruck um einen Faktor 2.
Tabelle des Wasserdampfgehalts
Verdunstungskälte / Kondensationswärme = Maß an
Energie, die notwendig ist, um 1 g Wasser zu verdampfen, resp. Energie die
bei der Kondensation von 1 g Wasser frei wird = 539 – 600 cal/g
Ab 0°C: van der Waal’schen Anziehungskräfte so stark ein, daß sie
nur noch Schwing- und Drehbewegungen der Moleküle um räumlich fixierte
Punkt möglich sind:
- Einordnung des Kristallgitters in eine feste geometrische Ordnung (Eiskristalle)
- Die Bewegungsenergie der eingefangenen Teilchen wird zum Teil freigesetzt
(bei Maßeinheit 1 g = Erstarrungswärme); bei der Rückführung
in die flüssige Phase wird diese Energie als Schmelzwärme (80
cal/g) wieder an die Moleküle abgegeben
Kristallisationskeime sind nötig: wenn zu Beginn der Kristallisation keine
"Anlegestellen" (Eiskristalle oder Teilchen mit ähnlichem Raumgitter)
verfügbar sind -> flüssiges Wasser bis –30°C
In Wolken findet man im Temperaturbereich zwischen 0° und –10°C oft Eis-, Wasser-
und Dampfphase nebeneinander:
- Infolge der Anomalie des Wassers (1g/cm³ bei +4°C, Eis bei 0°C nur 0,91g/cm³
-> Eis schwimmt), weist die Oberfläche von Eis keine dichtere Molekülpackung
als flüssiges Wasser auf ->; Sättigungsdampfdruck über Eis
nur wenig kleiner als über flüssigem Wasser
- Die Energie die aufgebracht werden muß um Wasser von der festen in
die gasförmige Phase zu bringen heißt Sublimationswärme
(=Schmelzwärme + Verdampfungswärme = 680 cal/g)
- Es ist schwieriger die geordnete Packung zu überwinden, d.h. weniger
Moleküle "schaffen" es ->; Sublimationswärme > Verdampfungswärme
-> Energieverlust des Eises beim Übergang in die Dampfphase größer
als bei unterkühltem Wasser
- Im umgekehrten Fall, also beim Übergang von Dampf zu Eis, wird dieselbe
Sublimationswärme wieder frei
- Sättigungsdampfdruck über Eis
ist etwas kleiner als über Wasser gleicher Temperatur -> Dampfdruckgefälle
vom Wasser zum Eis -> Dampfdruck über dem Eis > als Sättigungsdampfdruck
-> Reifbildung -> Eis wächst an auf Kosten des Wassers ->
siehe Eisbildung im Kühlschrank
Wichtig für Wolkenbildung in der Atmosphäre: Dampfdrück über
gekrümmten Flächen > Dampfdruck über geraden Flächen
-> Transport in Richtung der weniger gekrümmten Fläche ->
große Tropfen wachsen auf Kosten kleiner
Salze haben hygroskopische Wirkung -> Sättigungsdampfdruck über
der Lösung ist geringer -> Wasseranlagerung an Lösungen mit hoher
Salzkonzentration
Luftfeuchte: der wirkliche Wasserdampfgehalt der Luft (e); Gasgemisch
aus trockener Luft und Wasserdampf
Sättigungsdampfdruck (E) = maximale
"Aufnahmekapazität" der Luft an Wasserdampf; abhängig
von der Temperatur
Sättigungsdefizit = Differenz E
- e
Relative Feuchte = Verhältnis zwischen
herrschendem Dampfdruck und Sättigungsdampfdruck [%], stark
temperaturabhängig
Absolute Feuchte = Menge Wasserdampf
in Gramm pro Kubikmeter feuchter Luft [g/m³], keine konservative
Größe bei Vertikalbewegung (Luftdruckänderung)
Spezifische Feuchte = Gewicht des Wasserdampfes
in Gramm pro kg feuchter Luft (wird in der Meteorologie verwendet,
da sich diese Angabe mit Vertikal-bewegungen der Luft nicht ändert
wenn keine Kondensation auftritt)
Tabelle verschiedener Feuchtebegriffe
Messung: Aßmann-Psychrometer, Haar-Hygrometer
Energieumsätze
Eis -> Wasser: Schmelzen 80 (cal/g); 49 (Eisen)
Wasser -> Eis: Gefrieren 80; 94 (Aluminium)
Wasser -> Dampf: Verdunsten 539 – 600; 51 (O2)
Dampf -> Wasser Verdampfen (bei 100°C) 539; 48 (N2)
Eis -> Dampf: Verdunstung 680; 327(Ammoniak)
Dampf -> Eis: Sublimation 680
Verteilung des Wasserdampfes in der Atmosphäre
- Horizontale Differenzierung in hohem Maße abhängig von der Temperaturverteilung
und (in wesentlich geringerem Maße) von der Wasserverfügbarkeit
- Die niedrigsten Dampfdruckwerte treten im Winter in NE-Sibirien (0,1 mm
Hg) und in der Antarktis auf (0,5 – 2mb)
- Die höchsten Werte treten in Äquatornähe über Wasserflächen
auf (25 – 29mb) (Siehe Tabelle Weischet S. 159)
- Die Verteilung in vertikaler Richtung wird in erster Linie von der Temperatur
und in zweiter Linie von den Austauschvorgängen bestimmt
- Größtes Gefälle über verdunstenden Flächen, wobei
Inversionen des Feuchtegefälles nur selten und kurzfristig stattfinden
In der Regel nimmt der Wasserdampfgehalt mit der Höhe rasch ab
Inversionen treten in den Außertropen auf, wenn infolge zyklonaler Verwirbelung
warm-feuchte Tropikluft über trocken-kalte Polarluft aufgleitet)
"Precipitable water" = mittlere
Gesamtmenge an Wasserdampf in einer gegebenen Vertikalsäule über einem
Ort (mm)
- bis in eine Höhe von 1500m (~ 850mb-Niveau) ist bereits die Hälfte,
bis 3000m (~ 700mb-Niveau) bereits ¾ der Gesamtmenge an Wasserdampf enthalten
- obere Troposphäre ist also relativ wasserdampfarm
Verdunstung
Regeln:
- Warme Meere können mehr verdunsten als kalte
Verdunstung führt zu Abkühlung, da der Wasseroberfläche
Energie entzogen wird (damit die Verdunstung aufrecht erhalten werden kann,
muß also Energienachschub in Form von Strahlung oder aus dem Wasserkörper
selbst)
1 mm Verdunstung -> Abkühlung um 0.5-0.6 °C
Fragen: Ist die Wasseroberfläche (oberste 0.1 mm) eines
Sees, wärmer oder kälter als das Wasser in 1 cm Tiefe?
Wann verdunsten tiefe, küstenferne Seen am meisten?
- Verdunstung ist zeitlich und regional um so größer, je mehr Strahlungsenergie
zur Verfügung steht
- Verdunstung hängt auch wesentlich davon ab, wieviel Wasserdampf die
Atmosphäre pro Zeiteinheit von einer verdampfenden Oberfläche aufnimmt
(Aufnahmefähigkeit ist abhängig vom Sättigungsdefizit)
Zwei Prozesse: 1. Übergang in gasförmige Phase, 2. Transport in
höhere Luftschichten
- Bei gleicher relativer Feuchte begünstigen hohe Temperaturen
die Verdunstung
- Hohe Luftfeuchtigkeit reduziert die Verdunstung
- Hohe Windgeschwindigkeiten erleichtern den Transport in höhere
Luftschichten (Feuchtegradient bleibt erhalten)
- Große Verdunstungsraten muß man in Regionen
mit hoher Lufttemperatur und hoher vertikaler Absinkbewegungen trockener
Luftmassen erwarten (diese Austauschvorgänge sind wiederum abhängig
von der horizontalen Windstärke und der vertikalen Temperaturschichtung),
sowie an den Ostküsten der Kontinente (im Herbst/Winter kontinentale
trockene Luft streicht über warmes Wasser)
Verdunstung also abhängig von: verfügbarer Energie, Temperatur,
Feuchtegradient, Wind
Bei der Verdunstung (=Evapotranspiration, ET) über vegetationsbestandenen
Landoberflächen muß man zwischen potentieller und aktueller
ET differenzieren
- Die potentielle Verdunstung ist die klimatisch mögliche Verdunstung
bei gegebener Energiemenge ohne daß die Verdunstung durch Wassermangel
limitiert ist
- Die aktuelle Verdunstung ist die tatsächliche Verdunstung einer gegebenen
Ortes
- Pflanzen können den Verdunstungsstrom
steuern. Die Verdunstung findet im wesentlichen an den Stomata
statt. Die Verdunstung der Pflanzen heißt Transpiration, die Verdunstung
von benetzten Oberflächen heißt Interzeptionsverdunstung, die Verdunstung
der Bodenoberfläche bzw. Wasseroberfläche heißt Evaporation.
- Die Dichte des Vegetationsbestandes (vor allem die Menge der grünen
Blätter pro m²) spielt eine bestimmende Rolle (Vegetationsbestände
ohne Wassermangel haben i.d.R. eine deutlich höhere Verdunstung als offene
Wasserflächen)
- Pflanzenspezifischer Transpirationskoeffizient
= Wasserverbrauch pro Gramm erzeugter Pflanzensubstanz
(Berechnung der potentiellen und aktuellen ET ist sehr schwierig. Den anerkannt
besten Ansatz liefert die sog. Penman-Monteith Gleichung:

D = Steigung der Wasserdampfsättigungskurve; g
= Psychrometerkonstante; Q = Strahlungsbilanz; B = Bodenwärmestrom; r
= Dichte der Luft; cp = Spezifische Wärme der Luft bei konstantem
Druck; EL = Sättigungsdampfdruck; eL = aktueller
Dampfdruck; ra = aerodynamischer Widerstand; rs = Bestandeswiderstand
Andere Verfahren:
- n. Thornthwaite:
d = Tageslänge
ti = mittlere Lufttemperatur
I = Wärmeindex, Summe von i=(t/5)1,5
a = Konstante, abhängig von I
- n. Haude:

(E-e)14 = Sättigungsdefizit um 14 Uhr
f = empirischer Faktor
Humidität, Aridität
Von besonderer Wichtigkeit für die ökologische Wertung einer Klimaregion
ist das Problem der Humidität / Aridität:
Verschiedene Ansätze der Klassifizierung von Regionen in humid / arid:
PENCK
- Arid = Verdunstung ist im Flächenintegral und im langjährigen
Mittel größer als der Niederschlag
- Humid = Niederschlag ist im langjährigen Mittel größer
als die Verdunstung
KÖPPEN
- Trockengrenze = Grenzbereich zwischen humiden und ariden Gebieten
kann man ziehen, wo der Jahresniederschlag in cm denselben Zahlenwert wie
die doppelte mittlere Jahresmittel-temperatur plus einer Konstanten aufweist
- Winterregen: r = 2t + 0
- Ganzjahresregen: r = 2t + 14
- Sommerregen: r = 2t + 28
DE MARTONNE
- Ariditätsindex i = N (mm) / T (°C) + 10
- N = Jahresniederschlag
- T = Jahresmitteltemperatur
- Die Trockengrenze liegt bei einem Wert von etwa i = 20.
Verteilung der Differenz zwischen Niederschlag
und Verdunstung im Jahresgang
Bsp. Wasserbilanzgleichung für Deutschland (n. Hydrologischer Atlas der
BRD, KELLER 1979)
Verdunstungsmittelwert ca. 480
mm/a
Maximum 560 mm/a
Minimum 460 mm/a
weiter mit: Entstehung
horizontaler Luftdruckunterschiede