Department für Geographie
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Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene: ansteigende Starkregenrisiken am Beispiel des bayrischen Oberlandes (KARE)


Fachgebiet: Geo-Informationssysteme, Geographische Gesellschaft-Umwelt-Forschung, Hydrologie, Hydrologische Modellierung, Klimatologie, Modellierung, Regionale Geographie, Sozialgeographie
Gefördert durch: BMBF
Förderkennzeichen: 01LR2006A

Projektleitung: Prof. Dr. Matthias Garschagen, Dr. Anne von Streit
Projektwissenschaftler: Prof. Dr. Matthias Garschagen, Dr. Anne von Streit, Prof. Dr. Karen Pittel, Prof. Dr. Stefan Emeis, Dr. Patrick Laux, Elisabeth Freundl

Laufzeit: 07/2020 - 06/2023
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Hintergrund

Starkniederschläge und daraus resultierende Sturzfluten bzw. Überflutungen haben in den vergangenen Jahren in vielen Städten Deutschlands zu erheblichen Schäden geführt. Insbesondere kleine und mittlere Städte sind auf diese Gefahren noch unzureichend vorbereitet und bei der Etablierung eines Starkniederschlags-risikomanagements bisher weitgehend auf sich allein gestellt. Kommunen im Voralpen-land sind aufgrund ihrer geographischen Lage besonders von Starkniederschlägen betroffen, die im Sommerhalbjahr Sturzfluten und im Winter extreme Schneelasten mit hohem Schadenspotenzial bewirken können. Gleichzeitig sind Städte dort mit einem enormen Wachstumsdruck konfrontiert, der mit zunehmender Versiegelung und hohen Flächenkonkurrenzen einhergeht. Aus der Kombination dieser Faktoren ergibt sich für die Kommunen in dieser Region ein ansteigendes Risiko im Zusammenhang mit Starkniederschlägen und ein erheblicher Anpassungsbedarf.

Projektziele

Das Projekt KARE beabsichtigt in vier Landkreisen südlich von München (Planungsregion 17, Oberland), Kommunen für diesen Anpassungsbedarf zu sensibilisieren und gemeinsam mit regionalen Praxis- und Politikakteuren in zwei Pilotkommunen planungsrelevante Instrumente für das kommunale Risiko-management und die Klimawandelanpassung zu entwickeln, zu testen und in andere Kommunen zu transferieren. Die erste Pilotkommune ist die in den Alpen am Fuße der Zugspitze gelegene, international bekannte Tourismusdestination Garmisch-Partenkirchen. Weilheim, die zweite Pilotkommune, liegt im Alpenvorland und ist stärker von einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur geprägt. Gemeinsam decken diese beiden Kommunen die meisten in der Modellregion vertretenen Gemeindetypen ab.

Vorgehen

Das Projekt entwickelt und erprobt neue Methoden zur Schaffung und Bereitstellung planungsrelevanter Informationen im Umgang mit gegenwärtigen und zukünftigen Starkniederschlags- und folgenden Hochwasser- bzw. Schneelastereignissen. Insbesondere werden Methoden für die Erstellung integrierter Szenarien, mit denen sich zukünftige Risiko- und Schadentrends abschätzen lassen, weiterentwickelt und gleichzeitig erprobt. Diese integrierten Szenarien beziehen sowohl die sich mit dem Klimawandel verändernden Naturgefahren (hier v.a. Starkniederschlag und Sturzflut), als auch die zukünftige Entwicklung von Exposition und Verwundbarkeit im Zusammenhang mit sozioökonomischen Veränderungen (Zuzug, Flächenentwicklung, demographischer Wandel, Versicherungsabdeckung etc.) ein. Darauf aufbauend werden gemeinsam mit regionalen Stakeholdern und der Bevölkerung Anpassungserfordernisse ermittelt und bewertet. Mittels einer regionalökonomischen Modellierung sowie Multikriterienanalyse werden mögliche Maßnahmenpakete zur Risikominderung evaluiert und auf ihre Akzeptanz hin untersucht.

Dazu zählen:

  • Unterirdische Maßnahmen zur Anpassung des Kanalsystems

  • Oberirdische bauliche Schutz-, Leit- und Rückhalteanlagen

  • Flächenvorsorge zur Retentionsraumsicherung und –erweiterung zum Rückhalt von Niederschlagswasser sowie zur Verringerung des Schadenspotenzials

  • Anpassung von Baustandards bzgl. Schneelasten

  • Maßnahmen auf Haushaltsebene

  • Zielgruppenspezifische Kommunikationsformate und Beteiligungsformate

  • Maßnahmen organisatorischer Art.

Im Bezug auf diese Maßnahmenpakete werden Methoden erarbeitet, die eine Abschätzung der Anpassungskapazitäten von Kommunen, Unternehmen und privaten Haushalten in der Modellregion erlauben. Erkenntnisse aus diesen Arbeitsschritten fließen in die begleitende Analyse der Risikokommunikation sowie Risiko-Governance ein. Hierbei erfährt die Zuordnung staatlicher und nicht-staatlicher Verantwortlichkeiten zur Risikominderung besondere Berücksichtigung.

Produkte
Konkret entwickelt das Projekt zielgruppenspezifische Informationen in Form eines Prozessleitfadens "Sturzflutrisikomanagement für Kommunen 2.0" sowie praxisorientierter Medien- und Bildungsformaten, die Kommunen effektiv bei der Etablierung eines Starkniederschlagsrisikomanagements unterstützen und praxisorientierte Handlungsempfehlungen für eine Risiko-Governance-Struktur und Risiko-Kommunikation auf kommunaler Ebene geben. Spätere Anschlussfähigkeit besteht durch den bereits im Projekt angelegten Transfer in andere Regionen und Kommunen sowie durch die Einbeziehung weiterer Naturgefahren (z.B. Hangrutschungen, Dürre) in die im Projekt entwickelten Planungshilfen.

Das Projekt wird im Rahmen der FONA-Maßnahme RegIKlim – Regionale Informationen zum Klimahandeln (https://www.fona.de/de/massnahmen/foerdermassnahmen/regionale-informationen-zum-klimahandeln.php) als eine von sechs Modellregionen in Deutschland gefördert.


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